Derzeit höre ich ein Hörbuch von Pessoa. Das Buch der Unruhe. Ich behalte wenig Details, mir fällt nur immer wieder auf, in welcher Dichte P. bemerkenswerte Aussagen trifft. Auch wenn ich nicht immer spontan übereinstimme, regen sie zum Nachdenken an. Wodurch ich die folgenden Sätze verpasse. Weswegen ich das Buch eigentlich lesen statt hören müsste. Das langsame Lesen, das ich mir bei Proust zueigen machen musste, benötigte ich auch hier und es steht mir nicht zur Verfügung bei einem Hörbuch. Interessante Erfahrung. Pessoa hat eine Weltsicht, in der Leid, Schmerz und andere für den "normalen" Menschen eher negativen Erfahrungen in erster Linie als intensive Emotionen beobachtet und verstanden werden. In der Monotonie ihr Gutes hat. In der es nicht auf das "Was?" des Außergewöhnlichen ankommt, sondern um das reine "Dass!" Ein merkwürdig duldsamer Beobachter des eigenen Leids, der eigenen Starre.
Ein Schlussstrich war gezogen worden. Ich war lange davon ausgegangen, dass eine gemeinsame, glückliche Vergangenheit etwas ist, das auf der Guthabenseite zu verbuchen ist. Für einige Zeit schien sich das auch zu bewahrheiten. Nun wird mir, durch eine zutage tretende Positionsänderung, diese Vergangenheit entzogen. Sie wird entwertet. Negiert. Ausgelöscht. Es ist interessant zu lernen, dass dieser Verlust, macht man ihn sich nur klar, auch ohne Schmerz erfahren werden kann. Es ist interessant zu lernen, was uns inneren Frieden gibt. Und was dazu nicht nötig ist.
Posted by tilman.haerdle at April 10, 2010 12:09 AM