Zum wiederholten Mal, diesmal anläßlich seines Afrikabesuchs, wird der Papst für seine Haltung zum Kondom verdammt.
Ich versteh das nicht. Der Mann kann nicht anders. Spezifisch die katholische Kirche ist groß darin, die Bibel sehr traditionell auszulegen. Genau darin unterscheidet sie sich stark von anderen christlichen Kirchen. Sei es nun der Zölibat, keine Frauen als Priester oder eben das Verbot außerehelichen Geschlechtsverkehrs. Nimmt man letzteres als Prämisse ist klar, daß Kondome schädlich sind, weil sie nämlich den außerehelichen Geschlechtsverkehr erleichtern. Und zudem Sex mit einer anderen Bestimmung als der Fortpflanzung ermöglichen.
Daß das alles nicht zeitgemäß ist, weil diese Positionen auf einer Literatur beruhen, die 2000 Jahre alt ist und zu deren Zeit solche Regeln sinnvoll waren, ist offensichtlich. Aber wenn eine Kirche auf dem Standpunkt steht, ihr Fähnlein nicht nach dem Winde zu hängen und jedem Zeitgeist zu folgen, dann ist das erstmal ihr gutes Recht. Jeder, der das nicht mehr teilen mag, kann aus der Kirche austreten.
In Afrika ist die Position der Kirche mit Sicherheit bedenklich, weil die große Mehrheit der Menschen an der unteren Stufe der Bedürfnispyramide sich stärker von spirituellen Führern beeinflussen läßt als wir in unserer gesättigten, säkularisierten und individualisierten Umgebung in den Industriestaaten.
Würde die katholische Kirche sich reformieren, wäre sie evangelisch. Das ist ja gerade vor ein paar hundert Jahren passiert mit bekanntem Ausgang.
Daher halte ich es für schwierig, hier auf eine Änderung zu hoffen. Gesunder Menschenverstand hilft da leider nicht weiter. Die katholische Kirche begründet ihre Position auf einem Ideal, nicht an den Bedürfnissen der Realität. Der Mensch hat sich in der Sichtweise der Kirche nach dem Ideal zu richten, nicht die Haltung der Kirche nach der Realität.
Daß das in Afrika verheerende Folgen hat, sehen wir. Umso wichtiger ist eine umfassende säkulare Erziehung der Menschen, eine Aufklärung, die es ihnen erlaubt, in vollem Bewußtsein Entscheidungen über ihr Leben zu treffen, die nicht einfach nur Produkt von Indoktrination sind. Leicht gesagt angesichts der Lebenssituation vieler Menschen in einem Umfeld, in dem Bildung bei akutem Mangel an Wasser, Lebensmitteln, medizinischer Versorgung und Sicherheit ein entbehrliches Luxusgut ist.
Dennoch dürfen wir nicht vergessen, daß die Grundprinzipien und Ideale nicht nur der katholischen Kirche gut und richtig sind. Wir sollten uns also hüten, uns nur die Regeln rauszupicken, die uns passen, weil wir uns eh schon dran halten. Umgekehrt ist die hohe Meßlatte auch Garant dafür, daß die Umsetzung auf einem bestimmten Niveau erfolgt. Pragmatisch gesehen.
Posted by tilman.haerdle at March 22, 2009 7:43 PMnun ja, wenn du mal die geschichte der paepste genauer studiest, wirst du ganz schnell feststellen, dass es geradezu paepsliche tradition ist, die regeln so auszulegen, wie es dem papst eben in den kram passt. so kam es dann zu paepsten, die mehr macht hatten, als die regierenden koenige, und so kam es zu paepsten, die mehrere konkubinen und auch kinder hatten.
also, anstatt die regeln nur fuer den eigenen vorteil zu verbiegen, warum nicht mal die regeln verbiegen um leben zu retten.
ist den das christentum nicht die religion der naechstenliebe? davon hat man in den letzten 2000 jahren nicht sehr viel mitbekommen...
Posted by: marcuhlig at March 23, 2009 1:26 AM