December 23, 2008

Laufen rund um Schallbach

Wenn man erstmal eine gewisse Lauftradition hat, sinken die Ansprüche an die Laufstrecke doch ziemlich. Meist ist man schon froh, wenn man überhaupt zum Laufen kommt und man begnügt sich mit Wendepunktstrecken,entlang der Schnellstraße, auf Asphalt, bei Regen (na ja, nicht alles gleichzeitig).

Ganz unvermittelt passierte es heute jedoch, daß mir eine Strecke unterkam, die nach gastronomischer Klassifizierung mindestens zwei Michelin-Sterne hatte. Wenn man jetzt weiß, daß sie von meiner Haustüre aus losgeht, so könnte man versucht sein zu glauben, ich würde mir den Appetit am vielen guten Essen verderben... Aber mal sehen, wie oft ich Gelegenheit habe, von hier loszulaufen.

Was zeichnet die Strecke aus? Man verläßt den Ort Schallbach nach Passieren eines der x Bauernhöfe nach Nordosten und läuft über eine sehr sanfte Steigung auf einen Wald zu. Der Blick schweift in die Weite, nach kurzer Passage verläßt man den Wald und es öffnet sich ein langgestrecktes, in Nord-Südrichtung verlaufendes Tal, an dessen westlicher Seite man nun in Richtung Norden läuft. Der Weg wird vom Asphaltweg zum Feldweg. Man läuft nun auf einem Rücken, bevor man hinter Maugenhard die Höhe verläßt und schräg den Hang nach Hammerstein absteigt.

Durch Hammerstein durch, die Bahnlinie überquerend, steigt man auf der gegenüberliegenden Talseite wieder auf, beginnend mit einer "brutalen" Steigung, die dann abflacht. Der Weg geht vom Asphalt in einen Wiesenweg über, wechselt öfter den Rhythmus bevor man dann nach Egisholz kommt. Der wunderschöne kleine Ort verspricht laut Strassenname den Baselblick. Wir durchqueren das Heimwerkerdorado (eine Baustoffhandlung an der anderen, zumindest den Schildern an den Wohnhäusern nach) und laufen nun durch die Rebberge in Richtung Wollbach.

Es geht nun stetig bergab, teils gemächlich, teils in der Falllinie. Nie entgeht uns die wunderschöne Aussicht auf das Tal, bevor wir in das alte Fachwerkdörfchen Wollbach kommen. Dort passieren wir den Biohof mit Restaurant Pfaffenkeller, der wohl noch eine separate Besprechung wert ist.

Im Talboden angekommen überqueren wir wieder die Kreisstraße und die Bahnlinie, bevor wir dann wieder die andere Talseite aufsteigen, senkrecht, mit merkbarer Steigung, 400m, genau richtig für eine letzte Belastung. Danach sind wir wieder auf dem Rücken, am Waldrand und erreichen auf der nun südwestlich laufenden Quertraverse wieder Schallbach.

70 Minuten Hochgenuss, Abwechslung pur, da diese Strecke läuferisch ambitioniert ist, landschaftlich reizvoll und dennoch so gestaltet, daß neben dem Schauen auch ein Nachdenken möglich ist. Lebensqualität.

Die durchscheinende Euphorie ist sicher auch dem Wetter geschuldet, das zum Laufen perfekt war, Sonnenschein, 4 Grad, es geht fast nicht idealer. Aber man muß die schönen Augenblicke erkennen, wenn sie da sind.

Posted by tilman.haerdle at December 23, 2008 2:31 PM
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