Wir leben in spannenden Zeiten. Nachdem Herr Müntefering aufgrund der für ihn verlorenen Kampfabstimmung zurückgetreten ist, hat sein Busenfreund Stoiber gleich auch wieder das Weite gesucht, um zu seinem dritten Enkel nach Bayern zurückzukehren. Jetzt frage ich mich natürlich schon langsam, wo wir inzwischen angelangt sind. Es fällt schon auf, wie sehr die deutsche Politik von persönlichen Befindlichkeiten nicht nur bestimmt, sondern vor allem handlungsunfähig gemacht wird. Nun sind auch die Menschen, die in der freien Wirtschaft das Sagen haben, mit Sicherheit nicht davor gefeit, allzu menschlichen Bedürfnissen nachzugeben, wie dies gerade erst wieder das Beispiel Volkswagen gezeigt hat. Aber dennoch muß die Frage erlaubt sein, wo hier das Gefühl für Verantwortung bei unseren Politikern geblieben ist. Da wird einerseits eine dramatische Haushaltssituation konstatiert, andererseits jedoch ewig taktiert, um Personalia verhandelt, um für die Zeit nach der großen Koalition eine optimale Ausgansposition zu haben, aber es wird nichts Eigentliches getan. Und damit die Wählerschaft happy bleibt, wird insbesondere jeder mutige Reformschritt unterlassen. Draußen, im echten Leben macht sich beileibe kein Heulen und Zähneklappern breit, sondern es ist eher festzustellen, daß nach der letzten Welle des Politiküberdruß sich nun eine Egal-Haltung breitmacht. Interesse an der Politik? Wieso denn? Die Leute in Berlin sind doch nicht mehr ernstzunehmen. Und solange die "neue" Generation von Politikern aus Menschen wie Frau Nahles besteht, müssen wir gar nicht erst anfangen zu hoffen, daß sich was bessert. Vielleicht bin ich ja zu sehr auf Äußerlichkeiten fixiert, aber während Herr Westerwelle für die Nutzung des Guidomobil abgestraft wurde, fährt Frau Nahles ungestraft mit einem ausrangierten Feuerwehrauto auf Wahlkampf und kann sich das Palästinensertuch wohl gerade noch verkneifen.
Posted by tilman.haerdle at November 2, 2005 10:24 PM