October 24, 2005

Beobachtungen während eines Aufenthalts in Italien

In Italien gibt es mehr Gesetze und Verordnungen als in Deutschland. Und es wird überall darauf hingewiesen. Aber es halten sich weniger Leute daran.

In Italien findet man im Supermarkt Einmal-Handschuhe, mit denen man das Obst und Gemüse anfassen kann.

In Italien kann man in öffentlichen Bibliotheken ins Internet gehen. Die erste halbe Stunde ist gratis, die zweite kostet 50 Cent, die dritte auch. Länger als 1,5 Stunden am Stück darf man den Internet-Rechner nicht nutzen. Vor der Nutzung muß man sich anmelden - mit Wohnsitz, Personalausweis und mit Unterzeichnung einer Erklärung, daß man nichts am Internetrechner verändert und generell an allem Schuld ist, was passieren mag. Brot wird beim Bäcker nicht stückweise, sondern nach Gewicht verkauft. Und gesalzenes Brot muß man explizit bestellen.

In Italien heißt der Parmaschinken einfach nur prosciutto crudo. Und gemahlenen Kaffee gibt es nicht für die Kaffeemaschine, sondern für die kleinen Kannen, die man auf den Herd stellt "macchinato per moka". Nudeln sind entsprechend aller Vorurteile tatsächlich Grundnahrungsmittel und kosten viel weniger als in Deutschland. Ein Kaffee an der Bar ist viel billiger als wenn man ihn an einem Tisch sitzend zu sich nimmt. Und erst wird bezahlt, dann konsumiert.

In unserem Ferienort wurde der Strand gesperrt. Richtig gesperrt, mit hohen Zäunen, weil die Promenade renoviert wird. Leider war sonntags schönes Wetter. Und auf einmal fanden sich doch Lücken in den Zäunen und der gesperrte Strand war voller Leute. Nur noch Einheimische. Keine Touristen. Merkwürdige Stimmung.

In Italien gibt es "vini pasto" als Tischweine zu (Nudel-)Gerichten. Die verfügbaren Flaschengrößen sind 1,5 und 5 Liter. Die Preise zwischen 1,5 und 5 Euro. Ungefähr. Pro Flasche.

In den meisten Häusern in Italien finden sich nur Stromanschlüsse mit maximal 3kW. Wer mehr will, zahlt viel mehr. Der gleichzeitige Betrieb von Waschmaschine, Herd und Klimaanlage scheidet da aus.

In der Schweiz gibt es weniger kinderfreundliche Raststätten als in Frankreich. In Italien gibt es gar keine kinderfreundlichen Raststätten. Wieso auch? Es gibt ja kaum Kinder...

In Italien ist der Mozzarella di bufala nicht wirklich teurer als normaler, aus Kuhmilch hergestellter Mozzarella. Nur viel, viel besser.

Die Entwicklung von Kindern über längere Zeiträume zu beobachten und graduelle Fortschritte in der Motorik oder der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit wahrzunehmen ist faszinierend. Es ist teilweise vergleichbar mit der Fortentwicklung eines Computerprogramms, nur daß die menschliche Entwicklung so viel cleverer ist. Und es ist erstaunlich und manchmal erschreckend zugleich zu sehen, wie selbst unbeabsichtigte und unterbewußt ablaufende Handlungsweisen Erwachsener die Kinder beeinflussen.

Immer wieder bin ich fasziniert von den visuellen Effekten, die iTunes darstellen kann. Ich frage mich, wie sowas programmiert wird. Sicher ist es ziemlich banal, und dennoch von einer Schönheit, der man sich nicht entziehen kann.

Neue Apple Hardware wurde vorgestellt: ein iMac, der noch flacher ist als bisher, mit integrierter Kamera. Und einer total sinnlosen Anwendung, die die "picture club"-Automaten simuliert, bei denen man Paßfotos mit Phantasie-Hintergründen kombinieren kann. Der Bildschirm dient als Blitzlicht. Und wieder fragt man sich: Wieso ist das bisher niemand anderes draufgekommmen? Wie schafft Apple es, Beziehungen zu so etwas Profanem wie einem Computer immer wieder so zu emotionalisieren?

Einige Websites, aus mehr oder minder naheliegenden Gründen:

Weil der Name so nett ist - Mutti

Womit die Leute halt so rumfahren als Schweizer

Aus der Liste erhaltenswerter Gegenstände

Was es nicht alles gibt in einem Hafen

Posted by tilman.haerdle at October 24, 2005 8:16 AM